Kopf und Hand

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1706026

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Kopf und Hand, Begehbare Bronze-Skulptur Eberhard Linke, 1984/85 Im Zusammenhang mit dem Neubau des Hauptpostamtes Iserlohn beauftragte die Oberpostdirektorin Dortmund im Jahre 1984 den Bildhauer Eberhard Linke mit einer Skulptur für den Eingangsbereich an der Baarstraße. Der Künstler schuf zwei aufeinander bezogene, überdimensionale figürliche Bronzeskulpturen: einen Kopf und, rechts davor, einen sich aus dem Rasengrün lösenden Unterarm mit einer sich spreizenden, nur mit dem Mittelfinger den boden berührenden Hand. Verbindende Glieder sind die rasenbewachsenen Erdmodellierungen, die Schultern und Armverlängerung andeuten sollen. Der schmale, durch Längsrillen und tiefe Einschnitte zerfruchte blockartige Kopf mit dem langen, aus einem angedeuteten sockelartigen Brustansatz aufsteigenden Hals bildet in der Betonung der Vertikalen ein Spannungselement zu den ruhigen Horizontalen der Fensterbänder des dahinterliegenden Gebäudes. Er ist der Scheitelpunkt des Ensembles. Sein Umfang, seine Höhe und Größe deuten auf die alles beherrschende geistige Kraft, die auch Arm und Hand lenkt und alles in Bewegung setzt. Vergeblich aber sucht der Betrachter das Gesicht. Eine den Kopf mehrfach umwickelnde und ihn einschnürende Bandage läßt weder Augen noch Nase und Mund gervortreten. Die stumpfe, borkige Oberfläche mit Schrunden, Scharten und Rissen deutet auf schmerzliche menschliche Erfahrungen. Im Gegensatz zur Starre des Kopfes stoßen Arm und Hand raumübergreifend in Richtung auf die Straße vor. Muskeln, Sehnen, Adern, Knochen, Gelenke und Fingernägel hat der Künstler besonders sorgfältig gestaltet. Der runde Unterarm scheint unbeschädigt, bei benauer Betrachtung erkennt man aber die klaffende Wunde an der äußeren, Risse an der inneren Längsseite. Die Wölbung des Handrückens, der abgespreizte Daumen, die hervordrängenden Finger vermitteln den Eindruck aktiven, kraftvollen Handelns. Doch die Hand ist wie der Kopf durch eine Bandagierung eingeschnürt, die sich abzulösen beginnt. Allerdings gelingt die Befreiung nicht ohne Verletzung: Teile des Mittel- und Ringfingers werden mit aberissen. Das Auge des Betrachters folgt - über die Bewegung der Hand- den fließenden Linien von Arm und Bodenschwellung zum Kopf. Kinder nehmen die Plastik spielerisch in Besitz, erklettern den Handrücken, balancieren über den Arm, erkunden den Kopf wie ein ansteigendes Gebirgsmassiv. Kopf und Hand lassen sich verstehen als Metaphern für Denken und Handeln. Zugleich sind sie Teile eines dramatischen Prozesses. Der Bildhauer Linke sieht die Bandagen als Zeichen für die Einschnürung des Menschen durch die technische Umwelt, die dieser selbst entwarf, um die Macht seines Handelns zu vergrößern. Ihre Dynamik aber ist menschlicher Kontrolle entglitten und wirkt auf ihn zurück. Aus der stützenden Bandage wurde Fessel und Einschnürung. Nur die Bewegung der Hand gibt Hoffnung auf einen Prozess der Befreiung.

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